Böden sind Grundlage vieler Ökosystemleistungen: Nährstoffkreislauf, Wasserhaushalt, Kohlenstoffspeicherung und Biodiversität. Allerdings sind Böden durch den Klimawandel in mehrfacher Hinsicht bedroht. Längere Trockenperioden und Extremwetterereignisse führen zu Humusabbau, Verdichtung und Erosion. Insbesondere landwirtschaftlich genutzte Flächen geraten zunehmend unter Druck: Ertragseinbußen, Wassermangel und eine sinkende Bodenfruchtbarkeit sind mögliche Folgen und erfordern Klimawandelanpassungsmaßnahmen in der Bodennutzung. Zugleich sind Böden zentrale Akteure im Klimaschutz. Humusreiche Böden und Moore können große Mengen an Kohlenstoff speichern und damit Treibhausgase binden. Intakte Böden tragen außerdem zur Wasserrückhaltung und zur Regulierung lokaler Klimabedingungen bei.
Mit ihrer 46. Bundestagung stellte die Deutsche Landeskulturgesellschaft (DLKG) vom 24. bis 26. Juni 2026 in Münster genau diese Thematik in den Mittelpunkt: den Umgang mit Böden im Klimawandel. Unter dem Titel »Wurzeln für die Zukunft – Böden im Klimawandel« diskutierten rund 110 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Verwaltung, Planung, Landwirtschaft und Landentwicklung, wie Böden durch den Klimawandel beeinflusst werden, welche Klimawandelanpassungsstrategien von Relevanz sind sowie wie Böden selbst einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Münster, der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Landentwicklung sowie der Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (DVW e.V. NRW) durchgeführt. Schirmherrin der Bundestagung war Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.
Umrahmt wurde das Tagungsprogramm von zahlreichen Grußworten: Ministerin Silke Gorißen betonte in einer Videobotschaft die Notwendigkeit, Klimaschutz, Klimaanpassung und nachhaltige Landentwicklung stärker miteinander zu verzahnen und hob die Rolle der Ländlichen Entwicklung dabei hervor. Thomas Ebert-Hatzfeld von der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Landentwicklung veranschaulichte die Bedeutung der Böden anhand eines eindrucksvollen Beispiels: In einem einzigen Teelöffel gesunder Erde leben bis zu 10 Milliarden Mikroorganismen – das sind mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt. Der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Münster, Andreas Bothe, begrüßte die Teilnehmenden im Münsterland und hob hervor, dass Böden nicht nur Produktionsgrundlage für die Landwirtschaft, sondern zugleich Wasserspeicher, Kohlenstoffsenke und Lebensraum sind.
Den wissenschaftlichen Einstieg am ersten Tag der Tagung übernahm Bianca Plückhahn vom Deutschen Wetterdienst. Sie erläuterte die zu erwartenden Klimaveränderungen und deren Auswirkungen auf Böden. Meteorologische Einflussfaktoren auf den Boden sind Temperatur, Niederschlag, Sonneneinstrahlung und Verdunstung. Sie verändern den Wasserhaushalt und die Bodenstruktur nachhaltig. Zudem führen sie zur Verfrühung des Vegetationsbeginns. Damit steigen die Anforderungen an eine klimaangepasste Bodennutzung.
Anschließend stellten Dr. Ingo Böttcher und Sebastian Kuhn vom Bundesministerium für Umwelt, Klima, Naturschutz und nukleare Sicherheit den aktuellen Rechtsrahmen des Bodenschutzes vor und gingen auf die Umsetzung der europäischen Richtlinie zur Bodenüberwachung und für Bodenresilienz (EU-Richtlinie 2025/2360 »Soil Monitoring Law«) in nationales Recht ein. Es ist geplant, die Richtlinie mithilfe bereits bestehender administrativer Strukturen und Monitoring‑Programmen schlank umzusetzen und die genannten Herausforderungen sachgerecht zu adressieren.
Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen konkreter innovativer Lösungsansätze und erfolgreicher Praxisbeispiele.
Alexander Weller vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen eröffnete den Vortragsblock. Er zeigte auf, wie Boden- und Standortinformationen genutzt werden können, um Wälder an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Fundierte Standortkenntnisse bilden dabei die Grundlage für langfristig stabile und klimaresiliente Waldbestände.
Michael Bern vom Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation stellte anschließend das Projekt »Moorwiedervernässung durch Flurbereinigung – Erfolgsmodell Alperstedter Ried?« vor. An diesem Beispiel wurde deutlich, welche Bedeutung moderne Instrumente der Landentwicklung für den Klimaschutz besitzen. Durch die Wiedervernässung von Mooren lassen sich bedeutende Kohlenstoffspeicher sichern und gleichzeitig wertvolle Lebensräume erhalten.
Im Anschluss widmete sich Dr. Tobias Heggemann von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen den Wechselwirkungen zwischen Bodennutzung, Landwirtschaft und Klimawandel. Im Mittelpunkt standen Möglichkeiten, landwirtschaftliche Produktionssysteme widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu gestalten und gleichzeitig Bodenfunktionen langfristig zu erhalten. Er stellte unter anderem Projekte zum präventiven Erosionsschutz sowie Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Humusaufbau in Ackerböden vor.
Die Erfahrungen aus der bayerischen Initiative boden:ständig thematisierte Thomas Corbeck in seiner Präsentation. Anhand zahlreicher Praxisbeispiele zeigte er, wie durch freiwillige Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Kommunen und Fachbehörden Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts in der Fläche und zum Erosionsschutz erfolgreich umgesetzt werden können.
Unter dem Titel »Der Landschaft das Trinken beibringen« stellte Franz-Josef Sauer, Bürgermeister der Stadt Arnstein, die Entwicklung der ILE-Region MainWerntal zur sogenannten Schwammregion vor. Ziel ist es, Niederschlagswasser möglichst lange in der Landschaft zurückzuhalten und damit sowohl Hochwasserspitzen als auch Trockenperioden besser bewältigen zu können. Das Projekt verdeutlicht eindrucksvoll, wie kommunale Zusammenarbeit und integrierte Landentwicklung zur Klimaanpassung beitragen können. Franz-Josef Sauer betonte, dass nur ganzheitliche Konzepte, die Land- und Forstwirtschaft, Natur, Siedlungsentwicklung und Bildung gleichermaßen berücksichtigen, dauerhaft wirksam sein können.
Dr. Uwe Richter vom Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation erläuterte, wie Maßnahmen zum Erosionsschutz in Flurbereinigungsverfahren planerisch berücksichtigt werden können, insbesondere durch Beeinflussung der Hanglänge und Bewirtschaftungsrichtung sowie Etablierung von Erosionsbarrieren. Damit wurde deutlich, dass Flurneuordnung weit über reine Grundstücksneuordnung hinausgeht und einen wichtigen Beitrag zum vorsorgenden Bodenschutz leisten kann.
Manuel Endenich von der RWE Power AG stellte die Bodenwiederherstellung auf rekultivierten Tagebauflächen im Rheinischen Braunkohlerevier vor. Der Vortrag verdeutlichte die Herausforderungen, aber auch die Möglichkeiten einer nachhaltigen Rekultivierung ehemals intensiv genutzter Landschaften.
Den letzten Fachvortrag hielt Prof. Dr. Ralf Pude von der Universität Bonn. Er präsentierte den Einsatz von Miscanthus als Kulturpflanze zur Verringerung von Erosion und Hangrutschungen. Die vorgestellten Forschungsergebnisse zeigten das Potenzial alternativer Anbausysteme für den Boden- und Klimaschutz.
Bei der Verleihung des DLKG-Förderpreises wurde Dr. Dagmar Bix für ihre Dissertation »Anforderungen an die ländliche Bodenordnung im Kontext einer zukunftsfähigen Landnutzung« ausgezeichnet. Bix hat sich intensiv mit dem Flächenmanagement im ländlichen Raum und den aktuellen Herausforderungen beschäftigt und ein neues Bodenordnungsinstrument zur Ergänzung des bestehenden Flurbereinigungsrechts entworfen. Die Laudatio hielt Prof. Karl-Heinz Thiemann. Im Anschluss stellte Dr. Dagmar Bix die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.
Der dritte Veranstaltungstag führte die Teilnehmenden direkt in die Praxis. Drei Exkursionen boten Gelegenheit, erfolgreiche Projekte der klimaangepassten Landentwicklung vor Ort kennenzulernen.
Die erste Exkursion führte in die Schwammlandschaft Lippeaue. Dort wurden Maßnahmen vorgestellt, mit denen durch modernes Landmanagement Retentionsräume geschaffen, die Auenflächen an die Lippe wiederangebunden sowie naturnaher Lebensräume entwickelt wurden. Die Teilnehmenden erhielten einen Einblick, wie Landmanagement als Schlüssel zur Realisierung komplexer Infrastruktur-, Naturschutz- und Wasserwirtschafsprojekte im ländlichen Raum wirkt.
Die zweite Exkursion widmete sich den Moorlandschaften des Zwillbrocker Venns und des Hündfelder Moors. Im Mittelpunkt standen Maßnahmen zur Sicherung von Kohlenstoffspeichern sowie zur Wiederherstellung wertvoller Moorökosysteme. Die Bedeutung intakter Moore für den Klimaschutz wurde dabei eindrucksvoll veranschaulicht. Die große Besonderheit des Zwillbrocker Venns ist, dass sich hier die weltweit nördlichste Brutkolonie von Flamingos befindet.
Die dritte Exkursion führte unter dem Motto »Klimafreundlicher Land-Tourismus« durch das Münsterland. Im Rahmen einer Fahrradtour wurden Maßnahmen zum Erosionsschutz, LEADER-Projekte, Flächenbereitstellung für Windenergie sowie weitere touristische Highlights der Region besichtigt.
Die 46. Bundestagung der Deutschen Landeskulturgesellschaft machte deutlich, dass Böden eine Schlüsselrolle für die Bewältigung des Klimawandels einnehmen. Wissenschaftliche Erkenntnisse, rechtliche Rahmenbedingungen und zahlreiche Praxisbeispiele zeigten, dass wirksamer Bodenschutz nur im Zusammenspiel von Forschung, Verwaltung, Landwirtschaft und kommunaler Entwicklung gelingen kann. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Instrumente der Ländlichen Entwicklung entscheidende Beiträge leisten können, um Landschaften klimaresilient zu gestalten und die vielfältigen Funktionen des Bodens langfristig zu sichern. Mit ihrem interdisziplinären Programm setzte die Tagung wichtige Impulse für die weitere fachliche Diskussion und unterstrich die wachsende Bedeutung des Bodenschutzes als zentrale Zukunftsaufgabe.
Eine ausführliche Dokumentation sämtlicher Fachvorträge erscheint als Heft 22/2026 der Schriftenreihe der Deutschen Landeskulturgesellschaft und steht anschließend kostenfrei unter www.dlkg.org zum Download bereit.
Prof. Daniele Wenzel, Vorsitzende der DLKG