Die Leistungen des extensiven Grünlandes

thematisierte die Tagung
am 18. Oktober 2017 in Hachenburg

Bericht:

Dipl.-Ing. geod. Thomas Mitschang
stellv. Vorsitzender der DLKG

Mehr als die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Pflanzenarten sind auf artenreiche, extensiv bewirtschaftete Grünlandlebensräume angewiesen. Das sind 52 % des Artenbestandes von heimischen Gefäß- und Blütenpflanzen!

Aufgrund der jahrhundertelangen Nutzung der Flächen in Form von Mähwiesen und Weiden für die Rinder-, Schafe-, Ziegen- und Pferdehaltung haben sich gerade in den Mittelgebirgslagen sehr artenreiche und ausgedehnte Grünlandlebensräume entwickelt. Für viele Vogelarten ist extensiv genutztes Grünland von essentieller Bedeutung, sowohl als Brut- als auch als Nahrungshabitat. Es ist zudem Nahrungs- und Lebensraum für die Bestäuber wie unsere heimischen Bienenarten, die wichtig für unsere Kulturpflanzen sind.

Artenreiches Grünland besitzt einen hohen ästhetischen Wert und ist landschaftsbildprägend.

Trotz der besonderen Leistungen des artenreichen Grünlandes nehmen Fläche und ökologische Qualität des Grünlandes seit Jahren dramatisch ab. Intensivierung einerseits und Nutzungsaufgabe andererseits führen zum Verlust von artenreichem Grünland. Die regionale Biodiversität wird reduziert und die Roten Listen vieler Artengruppen werden immer länger.

Spezialistinnen und Spezialisten referierten auf der sehr gut besuchten Veranstaltung über die Bedeutung extensiver Grünlandbewirtschaftung für den Arten- und Klimaschutz sowie für die Tiergesundheit.

So wurde zu Beginn auf die Situation des stark gefährdeten Braunkehlchens im Westerwald eingegangen und erste gemeinsame Lösungsansätze von Landwirtschaft und Naturschutz zum Erhalt der Wiesenbrüter vorgestellt.

Anschließend ging es um die Bedeutung artenreicher Mähwiesen für die Landwirtschaft, insbesondere für die Tiergesundheit, wobei auf die herausragende Rolle der Glatthaferwiese als "Vollwertmahlzeit" für das Vieh hingewiesen wurde.

Wissenschaftliche Untersuchungen der Georg-August Universität Göttingen belegen, welche (Beweidungs-)konzepte die Biodiversität des Gründlandes besonders fördern.

Neben der Information der Landnutzenden braucht es zielangepasste Förderprogramme, damit die Konzepte wirtschaftlich tragfähig werden. Dazu referierten Fachleute des Förderwesens. Praktiker aus der Landwirtschaft stellten ihre Konzepte zum Erhalt der Artenvielfalt vor.

Der Wissenstransfer ist ebenfalls thematisiert worden am Beispiel des Projektes MUNTER (IfaS), welches die Verwertung extensiven Grünlandes durch verbesserte technische Aufschlussverfahren bei den Biogasanlagen untersucht.

Die engagierten Diskussionsbeiträge haben einmal mehr die Bedeutung des Themas gezeigt.

Für alle Teilnehmer an der Tagung ist der Erhalt der biologischen Vielfalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der dringender Handlungsbedarf besteht.