Photovoltaik-Anlagen
auf landwirtschaftlichen Nutzflächen

Bericht:

Hans-Jürgen Unger
Arbeitsgruppe Bayern

Gemeinsame Veranstaltung der Bayerischen Führungsakademie (FüAk), der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der Arbeitsgruppe Bayern am 14. Juli 2010 in Niederalteich

Aufgrund der großen Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) auf landwirtschaftlichen Nutzflächen entsteht für die Behörden Handlungsbedarf bezüglich Genehmigungen, laufendem Betrieb der Anlagen und Umgang nach Ablauf der 20 Jahre Betriebszeit.  Für diesen in der Öffentlichkeit oft sehr emotional geführten Umgang mit PV-Anlagen brauchen die Träger öffentlicher Belange solide Kenntnisse und konkrete Vorstellungen, um die Interessen der Behörden sachlich zu vertreten.

Ziel der Veranstaltung war es, den Behörden wertvolle Argumentationshilfen für Stellungnahmen zu liefern. Die Teilnehmer erhielten dazu einen Überblick über regenerative Energien und einen Einblick in die Funktionsweise sowie Technik und Rentabilität von PV-Anlagen. Belange von Landwirtschaft und Naturschutz wurden erläutert und diskutiert. Die Veranstaltung richtete sich in erster Linie an Mitarbeiter der Landwirtschafts- und Naturschutzverwaltungen. Circa 60 Teilnehmer nahmen das Angebot wahr. Am Vormittag wurden vier Vorträge gehalten, am Nachmittag zwei PV-Anlagen besichtigt.

Prof. Dr. Josef Hofmann, FH Landshut, stellte fossile und regenerative Energieträger im Vergleich vor und stellte die jeweiligen Vor- und Nachteile heraus. Sein Fazit – ein Umstieg auf regenerative Energien ist aus folgenden Gründen erforderlich:

  • Klimaschutz und Reduzierung des CO2-Ausstoßes,
  • Energiekonkurrenz mit Schwellenländern (China, Indien),
  • Verknappung und Preissteigerung fossiler Energieträger,
  • Energieversorgungssicherheit ist in Deutschland gefährdet.

Folglich sollte die Nutzung aller regenerativen Energieträger ausgebaut werden. Gleichzeitig müssten Anstrengungen unternommen werden, den Energieverbrauch zu senken sowie die Effizienz in der Energienutzung zu erhöhen.

Robert Wagner von C.A.R.M.E.N, Straubing überschrieb sein Referat mit „Regenerative Energieträger – Konkurrenten um Ressourcen“. Das Problem bestehe darin, dass alle Arten der regenerativen Energiegewinnung fast ausschließlich auf landwirtschaftlicher Nutzfläche stattfinden und damit u. a. auf die Akzeptanz der Landnutzer und Anlieger angewiesen sind. Die Flächeneffizienz von PV-Anlagen ist gegenüber Biogas und Btl um ca. 20mal höher. Nachteil sei, dass diese Energie nur bei Sonnenschein bzw. am Tag zur Verfügung stehe.
Sein Resümee: Am besten scheint ein Energiemix aus PV-Anlagen, aus Biogas, Windenergie und Festbrennstoffen.

Frau Heidemarie Niedermeier-Stürzer, LfU Augsburg, beleuchtete die PV-Freiflächenanlagen aus Sicht der Naturschutzverwaltung. Rund 40 % der bundesweiten PV-Leistung sind in Bayern installiert. Dies führte mitunter zu großen Eingriffen in Natur und Landschaft. Diese Probleme müssen im Rahmen einer aktiven Standortplanung bzw. bei der Aufstellung von Flächennutzungs- bzw. Landschaftsplänen frühzeitig gelöst werden. Details müssen dann bei der Erarbeitung des Bebauungsplans, der in jedem Fall nötig ist, geklärt werden.

Zur Erleichterung der Standortsuche wurden folgende Kriterien aufgestellt:

  • ausschließende Kriterien,
  • einschränkende Kriterien,
  • Eignungskriterien.

Diskutiert wird nahezu überall der Kompensationsbedarf für den Eingriff. Er liegt in der Regel bei 0,2. Durch weitere Maßnahmen wie z. B. die Verwendung von standortgemäßem, autochthonem Saat- und Pflanzgut kann er bis auf 0,1 gesenkt werden.

Dr. Harald Volz, LfL Freising, beschäftigte sich mit den PV-Anlagen aus landwirtschaftlicher Sicht. Solche Anlagen sind nicht nur eine Flächenkonkurrenz zur landwirtschaftlichen Nutzung und wirken sich zumindest örtlich auf die Pachtpreise aus, sondern sie führen auch zu Konflikten mit den Nachbarn wenn z. B. die Anlagen mit Hecken eingegrünt sind. So gelten beim Pflanzenschutzmitteleinsatz mitunter Bewirtschaftungsauflagen bis zur Einhaltung von Abstandsstreifen. Herr Dr. Volz stellte Möglichkeiten der Mehrfachnutzung der Freiflächen z. B. Geflügelhaltung, Beweidung mit Schafen, Rindern oder Pferden vor sowie den Anbau von Sonderkulturen. Als letztes ging er auf das agrarökologische Aufwertungspotenzial dieser Flächen ein. Neben dem Einsatz von autochthonem Saat- und Pflanzgut war der Hinweis, dass solche Flächen auch als Ausgleichs- und Ersatzflächen auf Zeit (20 Jahre) genutzt werden könnten; ein interessanter Aspekt.

Am Nachmittag wurden zwei PV-Anlagen besichtigt.

Eine der größten in Bayern mit ca. 120 ha wurde auf landwirtschaftlich hochwertigen Böden im Straubinger Gäu von einem (ehemaligen) Landwirt errichtet. Nach seinen Aussagen wurde das in der Regel schwierige Einvernehmen mit den Behörden und vor allem mit den Anliegern ohne Probleme hergestellt.

Die andere, deutlich kleinere Anlage wurde am Stadtrand von Plattling gebaut. Sie dient auch als Puffer zwischen der vorhandenen Wohnbebauung und einem neuen Gewerbegebiet. Der Betreiber, ebenfalls ein ehemaliger Landwirt, nutzt die Freiflächen als Schafweide.

Obwohl die Förderung von PV-Anlagen seit 1. Juli 2010 eingestellt ist, waren die Teilnehmer an den Vortragsinhalten sehr interessiert. Bereits in wenigen Jahren könnte die Solarnutzung wieder attraktiv sein.

Es ist damit zu rechnen, dass dann die Module so billig sind, dass sich die Installation und der Betrieb PV-Anlagen auf Ackerflächen auch ohne Förderung wieder lohnen werden.